RETROSPEKTIVE EDGAR REITZ IN WIEN

 Dass Reitz’ Œuvre allerdings längst vor HEIMAT mit visuell bahnbrechenden experimentellen Industriefilmen oder poetisch-verspielten Arbeiten begonnen hat und er als eine Schlüsselfigur des Neuen Deutschen Films gilt, wird ob dieses Mammutwerks häufig vergessen. Er zählt zu den Mitunterzeichnern des Oberhausener Manifests, gemeinsam mit Alexander Kluge gründet er das Institut für Filmgestaltung an der Hochschule für Gestaltung in Ulm.

Sein erster Langspielfilm MAHLZEITEN (1967) erhält eine Auszeichnung als bestes Erstlingswerk am Filmfestival in Venedig. Mit seinen folgenden Arbeiten reüssiert er zwar auf Festivals und bei Kritikern, beim heimischen Publikum kommen die Filme zunächst weniger gut an. Mit HEIMAT – EINE DEUTSCHE CHRONIK sorgt er 1984 überall auf der Welt für Furore und erreicht bei der Erstausstrahlung über 25 Millionen Zuseher in der BRD. Seitdem haben ihn Schabbach und seine Bewohner kaum mehr losgelassen. Zuletzt erzählt er in DIE ANDERE HEIMAT (2013) eine Geschichte aus der Zeit der Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert: Brasilien als Ort der Sehnsucht. (Florian Widegger)